Prinzessin Marie-Christine: Vergewaltigungs-Drama

Prinzessin Marie-Christine: Vergewaltigungs-Drama

Prinzessin Marie-Christine galt jahrelang als das schwarze Schaf der belgischen Königsfamilie. Doch mit ihrem rebellischen Verhalten versuchte sie nur, eine traumatische Vergewaltigung zu vergessen.

Prinzessin Marie-Christine mit ihrem Vater, dem früheren König Leopold III.  © i mago images / Belga

Prinzessin Marie-Christine mit ihrem Vater, dem früheren König Leopold III.

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Prinzessin Marie-Christine schrieb über traurige Kindheit

Die ganze Welt schaut im Moment wieder nach Belgien. Der Streit zwischen Ex-König Albert und seiner vermeintlichen Tochter Delphine Boël entwickelt sich immer mehr zu einer Farce. Aber im belgischen Königshaus scheint man Skandale lieber unter den Teppich zu kehren.

Diese bittere Erfahrung musste auch Prinzessin Marie-Christine von Belgien machen. Die Halbschwester von Albert hat ein wahres Martyrium hinter sich. 2004 veröffentlichte die Tochter von Ex-König Leopold III. und Prinzessin Lilian ihre Biografie „La Brisure“ („Der Bruch“), in der sie schonungslos über ihre Kindheit am belgischen Hof berichtet.

Prinzessin Marie-Christine als kleines Mädchen. Damals nannte man sie noch Daphné.  ©imago images / ZUMA/Keystone

Prinzessin Marie-Christine als kleines Mädchen. Damals nannte man sie noch Daphné.

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Prinzessin Lilian gab Tochter Schuld an Vergewaltigung

Als Prinzessin Marie-Christine 18 Jahre alt war, wurde sie auf einer Party von einem Cousin vergewaltigt. Verstört vertraute sich das Mädchen einer Freundin an. Diese erzählte es jedoch ihren Eltern, die kurzerhand Leopold und Prinzessin Lilian informierten.

Doch anstatt Mitgefühl, erntete sie nur Verachtung. „Meine Mutter nahm den Cousin in Schutz und ging davon aus, dass ich schuld war. Ich wurde sogar zwei Monate in einem Zimmer in unserem Ferienhaus in Frankreich weggesperrt. Meine Mutter sagte, ich sei pervers und ich sei nicht mehr ihre Tochter“, erinnert sich die Belgierin in dem Buch. „Bis heute trifft mich ihre Reaktion schlimmer als die Vergewaltigung selbst. Ich werde ihr nie verzeihen, dass sie mich, das Opfer, zum Täter gemacht hat“, sagte sie gegenüber dem „Stern“.

Dadurch kam es zum endgültigen Bruch mit ihrer Mutter. Schon zuvor war das Verhältnis schwierig. Denn Prinzessin Lilian war laut ihrer Aussage eine Tyrannin. „Sie war kalt. Sie terrorisierte mich so, dass meine Lügen einfach grotesk wurden“, so die Prinzessin. Sie soll ihre Tochter sogar geschlagen haben.

War Prinzessin Lilian von Belgien wirklich so herzlos, dass sie ihrer Tochter die Schuld an der Vergewaltigung gab?  ©imago images / Belga

War Prinzessin Lilian von Belgien wirklich so herzlos, dass sie ihrer Tochter die Schuld an der Vergewaltigung gab?

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„Ich lebte wie eine Zigeunerin“

Um über den Missbrauch hinwegzukommen, fing sie an Drogen, zu nehmen und Liebe bei verschiedenen Männern zu suchen. „Ich geriet in einen Teufelskreis: Sex hat mir kein Vergnügen bereitet, aber ich sagte mir, es sei ein Teil davon, etwas Zuneigung zu bekommen.“

Als Prinzessin Marie-Christine wurde sie als Strafe für drei Monate nach Kanada geschickte. Man wollte mich weghaben aus Argenteuil und weit weg von meinen ,schlechten Kontakten’.“ Die Halbschwester von Alt-König Albert kehrte nie wieder zurück.

Ohne Geld aus dem Palast musste sie sich alleine durchschlagen. „Niemand wollte mir einen Job geben, denn ich konnte nichts. Ich lebte wie eine Zigeunerin und übernachtete bei Freunden“, erzählt sie in ihrer Biografie. Aus Verzweiflung wäre sie sogar fast in der Prostitution gelandet. Doch dann erbarmte sich ihr Halbbruder Baudouin und schickte ihr Geld – auch um eine Abtreibung zu bezahlen. In den Medien wird die junge Frau zu der Zeit als schwarzes Schaf der Familie gesehen. Sie sei eine Skandalprinzessin, hieß es. Denn niemand ahnte, dass ihr rebellisches Verhalten nur die Folge von ihrem Leid war.

Als Prinzessin Marie-Christine von Belgien 18 Jahre alt war, wurde sie von einem Cousin vergewaltigt. Seinen Namen hat sie nie veröffentlicht.  ©imago images / Belga

Als Prinzessin Marie-Christine von Belgien 18 Jahre alt war, wurde sie von einem Cousin vergewaltigt. Seinen Namen hat sie nie veröffentlicht.

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Keiner weiß, wo sie heute steckt

1981 heiratete sie Paul Drucker, doch schon nach 40 Tagen ging die Ehe in die Brüche. Die Scheidung erfolgte jedoch erst vier Jahre später. 1989 gab sie Jean-Paul Gourgues das Jawort.

Am 7. Juni 2002 starb Prinzessin Lilian. Prinzessin Marie-Christine fehlte bei der Beerdigung, denn zu einer Versöhnung kam es nie. „Als man mir erzählt hat, meine Mutter sei für immer gegangen, habe ich keine Träne verloren. Ich spürte nur noch Erleichterung. Endlich Ruhe“, erklärte die heute 68-Jährige damals.

Wo die Tante von König Philippe aktuell lebt, ist nicht bekannt. In Belgien wurde sie seit Jahren nicht mehr gesehen.

Ein Foto aus dem Jahr 1995. Prinzessin Marie-Christine mit ihrem Ehemann Jean-Paul Gourgues.  ©imago images / ZUMA Press

Ein Foto aus dem Jahr 1995. Prinzessin Marie-Christine mit ihrem Ehemann Jean-Paul Gourgues.

©imago images / ZUMA Press

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