Wie historisch korrekt sind die „Sissi”-Filme?

Für viele gehören die „Sissi”-Filme zu Weihnachten genauso dazu wie Lametta und Tannenduft. Doch wie historisch korrekt ist die Trilogie über das Leben von Kaiserin Elisabeth? ADELSWELT verrät euch die fünf größten Unwahrheiten

Der Film „Sissi” hat nicht viel mit dem Leben der Kaiserin gemein.    © imago/Granata Images

Der Film „Sissi” hat nicht viel mit dem Leben der Kaiserin gemein.

©imago/Granata Images

Wenn die blutjunge Romy Schneider als „Sissi” auf der Leinwand erscheint, schmilzt man einfach dahin. Mit ihrem mädchenhaften Charme und der süßen Singsang-Stimme trägt die geborene Wienerin die kitschigen Heimatfilme voll und ganz. Kein Wunder also, dass die Trilogie auch 60 Jahre später immer noch so beliebt sind.

Doch so schön die Filme auch sind, so wenig historisch korrekt sind sie auch. Regisseur und Drehbuchautor Ernst Marischka orientierte sich nämlich nur sehr vage am echten Leben der echten Kaiserin Elisabeth (1837-1898).

1. Kaiserin Elisabeth hieß nicht Sissi

Schon beim Namen hat sich Ernst Marischka eine künstlerische Freiheit herausgenommen. Denn Kaiserin Elisabeth schrieb ihren Spitznamen „Sisi” nur mit einem „s”. Ausgesprochen wurde der Kosename „Sie-sie” .

Mit ihrer lieblichen Anmut verzaubert Romy Schneider noch heute ganze Generationen.  ©imago/United Archives

Mit ihrer lieblichen Anmut verzaubert Romy Schneider noch heute ganze Generationen.

©imago/United Archives

2. Historische Fehler in „Sissi”

Einer der schönsten Szenen im ersten Teil von „Sissi” ist es, als Sissi und Franz Joseph vor den Traualtar treten. Im Film findet die Hochzeit im Stephansdom statt. In Wahrheit heiratete das Paar jedoch in der Augustinerkirche.

Auch in der Chronologie sind ein paar Fakten verdreht. Im Film kommt die Krönung in Ungarn (1867) vor der peinlichen Szene im Opernhaus Scala, wo nicht die Mailänder Aristokraten, sondern ihre Dienstboten erschienen (1857).

Außerdem starb die zweijährige Sophie Friederike, die erste Tochter von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph, ebenfalls im Jahr 1857. Auch dieses wichtige Detail wurde einfach weggelassen. Sie wird weiter als kleines Kind dargestellt, obwohl die Filme mehrere Jahrzehnte behandeln. 

Die neue Kaiserin Sissi auf ihrem Weg zum Altar    Foto: PR

Die neue Kaiserin Sissi auf ihrem Weg zum Altar

Foto: PR

3. Es war nicht die große Liebe

Elisabeth und Franz Joseph waren sich zwar zeitweise zugetan, doch um wahre Liebe handelte es sich nicht. Sisi war erst fünfzehn, als sie heiratete. Sie fühlte sich mit ihren ehelichen Pflichten schnell überfordert.

Der Kaiser flüchtete sich in Affären und vernachlässigte seine Ehefrau. Als Elisabeth von seiner Untreue erfuhr, brach für das Mädchen eine Welt zusammen. Trotz großzügiger Geschenke konnte Franz Joseph das Vertrauen seiner Frau nicht mehr zurückgewinnen. Zwischen beiden herrschte zeitlebens eine große Distanz. Elisabeth selbst schwärmte später für viele andere Männer. Einen sicheren Beleg für einen Seitensprung der Kaiserin gibt es allerdings nicht.

Weil Sissi sich als Lisl vorstellt, ahnt Kaiser Franz Joseph (Karlheinz Böhm) nicht, dass er sich gerade in seine eigene Cousine verguckt   ©imago/United Archives

Weil Sissi sich als Lisl vorstellt, ahnt Kaiser Franz Joseph (Karlheinz Böhm) nicht, dass er sich gerade in seine eigene Cousine verguckt

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4. Das Verhältnis zur Schwiegermutter

In „Sissi – Die junge Kaiserin” streiten sich die junge Monarchin und ihre Schwiegermutter Erzherzogin Sophie über die Erziehung von Töchterchen Sophie Friederike. Im Film muss sich Sissi ihr Mitspracherecht erkämpfen. Erst als sie vom kaiserlichen Hof zurück in ihr Elternhaus flieht, erkennt Franz Joseph, dass er seine Frau mehr unterstützen muss.

Auch in der Realität kommt es bei der Kindererziehung zu Reibereien. Doch Sisi verlor den Kampf.  Dennoch schien das Verhältnis von den beiden Frauen nicht durch und durch schlecht gewesen zu sein, wie Briefe belegen. Erzherzogin Sophie schreibt über eine Begegnung:  „Sisi's warme Herzlichkeit u. Freude, als sie mich wiedersah u. über mein baldiges Nachkommen nach Ischl, rührte und erquickte mich.”

Prinzessin Néné (Uta Franz) wird vom Kaiser verschmäht, als er ihre jüngere Schwester Sissi kennenlernt.    ©imago

Prinzessin Néné (Uta Franz) wird vom Kaiser verschmäht, als er ihre jüngere Schwester Sissi kennenlernt.

©imago

5. Das wahre Schicksal von Sissis Schwester Néné

Im Film, wie auch in der Realität, hat Franz Joseph nicht Helene, sondern ihre jüngere Schwester Helene geheiratet. Ein schwerer Schlag für Néné. Im dritten Teil „Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin” fragt der Kaiser seine Schwägerin dann, warum sie nie vor den Traualtar getreten sei. Die verschmähte Prinzessin gesteht Franz Joseph dann ihre Liebe.

Dabei heiratete die echte Helene bereits 1858 Erbprinz Maximilian Anton von Thurn und Taxis. Beide führten im Gegensatz zum Kaiserpaar eine sehr harmonische Ehe. Leider währte ihr Glück nicht lange, denn der Ehemann von Néné starb nur neun Jahre nach der Hochzeit an den Folgen eines Nierenleidens.

Trotz der historischen Ungenauigkeiten bleiben die „Sissi”-Filme wunderschön und erschaffen eine ganz eigene Welt.

Alle TV-Termine für Sissi im Jahr 2018:

  • Montag, 24.12., 13:10 Uhr, SRF1, Sissi - Schicksalsjahre einer Kaiserin

  • Montag, 24.12., 15:45 Uhr, ZDFinfokanal, ZDF-History: Mythos Sisi

  • Montag, 24.12., 20:15 Uhr, ARD - Das Erste, Sissi

  • Montag, 24.12., 23:55 Uhr, SRF1, Sissi

  • Dienstag, 25.12., 15:55 Uhr, ARD - Das Erste, Sissi

  • Dienstag, 25.12., 17:35 Uhr, ARD - Das Erste, Sissi, die junge Kaiserin

  • Mittwoch, 26.12., 17:30 Uhr, ARD - Das Erste, Sissi - Schicksalsjahre einer Kaiserin

  • Montag, 31.12., 22:30 Uhr, ZDFinfokanal, ZDF-History: Mythos Sisi

 

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